Milde Mysterien

Vier Künstler in einer Ausstellung der Tennenloher "Galerie Sulzbeck"

Freunde ungetrübter Ästhetik und harmonischer Klänge werden sich bei dieser jüngsten Ausstellung der Tennenloher "Galerie Sulzbeck" (Erlangen-Tennenlohe, Herringstraße 3) ganz besonders wohlfühlen. Widerhaken, Provokationen gar sind hier diesmal nicht zu finden. Dafür herrscht beruhigende Beschaulichkeit vor, bestens geeignet für stille Meditationen, wie sie sich beispielsweise anbieten zu den Materialbildern des Nürnbergers Gerhard Schmidt, Jahrgang 1952 und ehemaliger Dollhopf-Schüler.
Schmidt verarbeitet in seinen intelligent durchkomponierten Materialcollagen Alltagsrelikte: Stoffreste, Steingutscheiben, Ziegelbrocken, Holzstücke, rostige Eisen, Kies und Sand. Fundstücke vom Türschloß bis zum Kleiderbügel. Mich erinnern diese Materialbilder häufig an Eindrücke, wie man sie in alten, verfallenen Scheunen oder Schuppen hat. Milde Mysterien des Alltäglichen leuchten auf. Abstrakte Kompositionen in dezenten Farbgebungen. Wie gesagt: so richtig zum Meditieren - über die Vergänglichkeit der Welt zum Beispiel, oder den Schein der Dinge, oder was einem halt gerade so in den Sinn kommt. Wie es euch gefällt.
Ähnlich wohltemperiert die Eindrücke, die Hedwig Katzenbergers Aquarelle bei mir hinterlassen. Hauchzart und wohl mit allertiefstem Harmoniebestreben setzt diese Münchner Künstlerin die Farben. Verhalten leuchten Blau und Grün und Gelb. Die Quadrate, die da aus dem Bildgrund hervorschimmern, mögen (Fenster-) Öffnungen sein, teilweise überzogen von spinnwebdünnen Linien. Das alles kann aber auch höchst kunstvoll reduzierte Landschaften meinen, wie sich erahnen läßt bei zwei dieser Bilder, in denen unvermittelt kleine, rotgestreifte Fremdkörper auftauchen, Markierungen? Jedenfalls ist das alles sehr erlesen und handwerklich überzeugend gestaltet ebenso wie die Materialbilder Gerhard Schmidts.
Und dann hat's da noch, als ungewöhnliche Dreingabe, Textiles von Christiane Baur aus Essen: "Malerei auf tragbarer Seide" nennt's sich und ist eine nette Sammlung von Malereien auf seidenen Damenbekleidungs-Stücken, leicht und luftig und selbstverständlich in wunderhübschen Farben gehalten.
Bei soviel Schönheit darf man eigentlich nur noch gespannt darauf sein, was heute der Aachener "Edelmetaller" Albert Sous mitbringt, der Schmuck und Kleinplastiken ankündigt. Vor zwei Jahren jedenfalls überzeugte dieser Bildhauer im Garten der "Galerie Sulzbeck" mit seinen phantasievoll - verspielten Brunnenplastiken. Ein erfrischendes, sprudelndes Erlebnis - damals. (Die Ausstellung wird heute um 18 Uhr eröffnet und dauert bis zum 26. September. Am Dienstag 25. September, 20 Uhr, liest Wolf Peter Schnetz aus seinem neuen Buch "In diesem Garten der Kälte".)
 
 

M. B.
Nürnberger Nachrichten 21.9.1984