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Der gemalte Lichtblick
Leuchtende Bilder: Die Künstlerin
Hedwig Katzenberger aus Eurasburg
Hedwig Katzenbergers Bilder
wirken modern und sind doch voller Magie. Vordergründig gesehen haben
ihre Arbeiten keinen konkreten Inhalt, keine zu interpretierende Bedeutungsschwere.
Es sind sehr stille Lichtbilder. Sie wirken manchmal fast monochrom, so
fein in den Farbübergängen, daß Spritztechnik vermutet
werden kann. Doch sie sind wirklich gemalt. An den hellen Wänden des
Turmateliers im Schloß Eurasburg bekommen die großen Bilder
(im Bereich 2 mal 1,5 Meter variierend) und auch die kleineren, oft quadratischen
Formate eine mystische Qualität - der Lichtbündelung wegen, die
Farbspektren beeinflußt und verwandelt.
Hedwig Katzenberger, 1936
in Krefeld geboren, hat eigentlich einen anderen Beruf. Sie studierte Psychologie
(praktizierte nach Promotion und Diplom auch), dazu Philosophie und vergleichende
Religionswissenschaften, die Disziplin, die sie "am meisten gefesselt hat".
Dieses geistige Klima hat ihre Bilder stark beeinflußt. Einige ihrer
Arbeiten waren im Kunsthaus Orplid in Icking zu sehen gewesen. Zwischen
den Exponaten anderer waren sie Kraftfelder der Ruhe. Diese Bilder bestehen
aus zwei Ebenen, die nicht kontrastieren, sondern miteinander innig zu
tun haben. Die Grundfläche erscheint optisch nur als rahmender Rand.
Sie ist aber der eigentliche Lichtträger hinter der großen Binnenfläche.
Und das Licht durchflutet das Bild und verwandelt seine Farben. Es sind
zumeist unglaublich warme Farbspektren, die Hedwig Katzenberger - langsam
lasierend, Schicht für Schicht - mit Acrylfarben in Aquarelltechnik
entwickelt, bis ihr Bild, wie von einer inneren Lichtquelle zum Leben erweckt,
wirklich zu leuchten beginnt.
Die Malerin arbeitet in
ihrem Atelier in ihrem Wohnort Dorfen. Im Eurasburger Domizil stapeln sich
die von Lebendigkeit und Wärme geprägten Bilder, aber auch Zeugnisse
dunkler Lebensphasen. Dann verwandeln sich die Farbspektren und werden
schwer. Sie lassen Moll-Töne assoziieren, bleiben aber in sich immer
harmonisch.
Vor 25 Jahren hat die Autodidaktin
Hedwig Katzenberger aus einer Umbruchsituation heraus zu ihrer eigenen
Bildsprache gefunden. "Was ich ein Leben lang gedacht habe", erklärt
sie lebhaft, "das war plötzlich da in meinen Bildern". Sie ging spielerisch
und intuitiv an die Arbeit heran. Sie vertraute nur sich selbst. "Ich brauchte
niemandem etwas zu beweisen." Sicher strahlen ihre Bilder deshalb diese
souveräne, meditative Ruhe aus, weil es der Malerin (und Psychologin)
gelungen ist, ihren Gefühlen, ihren spirituellen Sehnsüchten
und Erkenntnissen Form und Farbe zu geben. Die Wirkung von Farben auf die
Psyche ist bewiesen. Für Hedwig Katzenberger geht es aber um mehr
- um die Antwort auf die Frage: Was ist vor uns gewesen, was wird nach
uns sein? "Mit diesen beiden Bildebenen, dem imaginären lichtaussendenden
'Hintergrund' und der Lichttransparenz des Bildes selbst, hatte ich plötzlich
meine Kürzel", sagt sie.
Manchmal fließt das
Licht auch über die Binnenfläche hinaus, spielt auf die sichtbaren
Rahmenränder der imaginären Hintergrundfläche hinüber.
Und mit Imagination haben diese Bilder viel zu tun: "Sie entstehen nicht
im Kopf", meint Hedwig Katzenberger, "sondern ganz intuitiv." So werden
Raum, Farbe und Licht zu Innenansichten einer "impersonalen Mystik". Die
aus Gold-Grün-Tönen entwickelten Bilder mit fast goldgelben Lichtreflektionen
und die aus hellem bis dunklem Indigo entwickelten Nachtstimmungen sollen
im Betrachter ähnliche Stimmungen auslösen wie vor ihm in Hedwig
Katzenberger.
Ihre Bilder können
Ruhe geben, die Stimmung aufhellen, fast nostalgische Gefühle hervorrufen.
Scheinbar ist der Bedarf danach groß. Denn die Malerin verkauft in
ihren Ausstellungen nicht schlecht. Die Mystik dieser Farbmagie erschließt
sich ohne den Beigeschmack der überstrapazierten Esoterik. Hedwig
Katzenberger hat nämlich den Mut, sich auf vollkommene Reduktion zu
konzentrieren, die alles Schwammige ausschließt und ihre Bilder so
modern macht. Die Arbeiten sind auf ihre Weise Ausdruck von menschlichen
Gefühlen, von Licht- und Schattenstimmungen. Hedwig Katzenberger versucht,
in sphärischen Farbklängen empfindbar zu machen, was der zu ewiger
Höchstform im Leben und Beruf gedrängte Mensch verlernt hat,
zu sehen und zu hören.
Ly Dreher
Süddeutsche Zeitung 20.10.1995
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